JANEK SCHAEFER

Lay-by Lullaby

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REVIEW: HHV (DE)

VISIT Für seine tönende Verneigung vor dem Schriftsteller J. G. Ballard und dessen »Auto«-Romanen »Crash« (der als Vorlage für David Cronenbergs gleichnamigen Film diente) und »Concrete Island« hat der britische Klangkünstler Janek Schaefer sich einen höchst passenden Ort ausgesucht: an der Autobahn M3, wenige Kilometer von seinem Studio im Westen Londons entfernt, machte Janek Schaefer Field Recordings von der Umgebung der Straße, vorbeifahrende Kraftfahrzeuge eingeschlossen. J.G. Ballard nämlich wohnte an genau dieser Autobahn, deren Bau er in den 1970er Jahren vom Fenster seines Hauses aus mitverfolgen konnte und der ihn zu den beiden Büchern inspirierte. Die von »Radio 101 FM« bis »Radio 112 FM« durchnummerierten Stücke auf »Lay-by Lullaby« (in etwa: »Standspur-Schlaflied«) präsentieren sich als eine Abfolge sehr bedächtiger Ambient-Collagen, die in ihrer aufgeräumt fließenden Fragilität einiges von der Gott- und Menschenverlassenheit nächtlicher Straßen und Autobahnrastplätze erzählen. Die Anwesenheit von Lebewesen teilt sich allenfalls indirekt über die Motorengeräusche mutmaßlich bemannter Automobile oder kurze Fetzen von Radiomoderationen mit. Ringsherum sonst hallende Leere. Diese spärlich bevölkerten Räume stimmt Schaefer so nuanciert aufeinander ab, dass das Album auf mehreren Ebenen funktioniert – als Hintergrundrauschen wie auch als melancholischer Abgesang auf die im 20. Jahrhundert bejubelte Innovation des Individualverkehrs.
JANEK SCHAEFER
Lay-by Lullaby