Marcus Fischer

Monocoastal

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REVIEW: NONPOP (DE)

VISIT Dieses Album passt unglaublich gut zur jetzigen Jahreszeit in Deutschland, zum kalten und verschneiten Winter, obwohl MARCUS FISCHER es im Sommer aufgenommen hat; vielleicht ein Merkmal von guter Ambientmusik, dass sie sich der jeweiligen Umgebung anpasst, als hätte sie nie woanders hin gehört.

FISCHER ist einer der vielen, jungen Do it yourself-Künstler, die es seit Jahren nach Portland in Oregon zieht. Ganze Heerscharen von ihnen basteln dort an Klanglandschaften für CDs, DVDs oder multimediale Ausstellungen. Einige davon haben wir schon vorgestellt, ETHAN ROSE zum Beispiel mit seiner Leidenschaft für alte Musikautomaten. Auch MARCUS FISCHER, ursprünglich aus Los Angeles, zog die kreative Ausstrahlung der Stadt – übrigens mit nur rund 600.000 Einwohnern – 800 Meilen weiter nach Norden. Schon in LA im elektronischen Untergrund tätig – mit 16 veröffentlichte er bereits Tapes von sich und seinen Freunden –, blühte der 33jährige in Portland richtiggehend auf. Inzwischen ist er Teil der Bands MAP~MAP und UNRECOGNIZABLE, führt einen vielbeachteten 'Kreativ-Blog' mit dem Vorsatz, jeden Tag eine kreative Tat zu tun und zu dokumentieren, ist Ko-Kurator von "vision+hearing", einer audiovisuellen Veranstaltungsreihe mit Musikern und Filmemachern und, natürlich, Solokünstler. "Monocoastal" ist, soweit ich das überblicke, nach einer Veröffentlichung im Netz die erste reguläre CD.

Der zarte Ambient auf diesem Album ist inspiriert von, wie das 'coast' schon andeutet, FISCHERs Reisen entlang der Westküste, vor allem von Weite und Meer. Einige durchscheinende field recordings hat er von dort mitgebracht, sowohl Tapeschnipsel als auch digitale Aufnahmen. Desweiteren bedient er sich vieler alter oder selbstgemachter Instrumente, wie eines Klaviers vom Sperrmüll oder eines Xylophons aus Schraubenschlüsseln. Einiges mündet in den unvergleichlich warmen Klang des – momentan sehr beliebten – Fender Rhodes Piano, ob echt oder nicht.

Es rauscht und knistert, als ob ANTLERS MULM die Geräuschekiste geöffnet hätte. Einzelne Pianoanschläge flirren durch die Luft, dazwischen vorsichtige Loops. Schier unendlich dehnt sich der Schauplatz aus durch große Abstände zwischen den einzelnen Elementen; hier der Anflug einer Melodie, Pause, dort eine verwehte Beinahe-Gitarre, Pause. Obwohl MARCUS FISCHER auch digitale Technik verwendet, klingt alles warm und analog, vor allem intim, wie ausgedachte Kurzmelodien gespielt auf halbleeren Gläsern nachts allein in der Küche. Einzige Konstante ist das Bett aus vereinzelten Geräuschen, die im Gesamthintergrund eher ein Gefühl als eine Szene ergeben. Das ist wohliger, weicher Ambient, der gut tut und zum Driften, zum Loslassen animiert. Noch lieber als das Meer stelle ich mir dazu, wie eingangs erwähnt, Schneeflocken vor.

Die Atmosphäre auf Monocoastal ist vergleichbar mit der Aura der hier schon vorgestellten Produkte des Wismarer Labels PARVOART oder mit der Musik des Österreichers FENNESZ; alles makelloser, intelligenter Ambient. Die sonore Produktion, für die Tausendsassa TAYLOR DEUPREE verantwortlich ist – gleichzeitig Gründer des zum Album gehörenden Labels 12K (1997) –, rundet den überaus behaglichen Eindruck ab.
Marcus Fischer
Monocoastal